#tatortvermessung

Wir sind Spurensucher!

Innovativ, komplex und hochspannend: Die kriminaltechnische Tatortvermessung als Teil der Geodäsie

Konnte der Schuss aus dieser Richtung und dieser Höhe so erfolgen? Stimmt der Winkel des Einschusslochs in der Wand mit der angenommenen Position des Täters überein? Welche Größe hat der Verdächtige? Wo lag das Opfer genau? Zugegeben: Wenn du an Geodäsie und Vermessung denkst, ist die Verbindung zur Verbrecherjagd und Forensik nicht sofort offensichtlich.
Antworten auf diese und viele weitere Fragen können Tatortvermesser:innen und geben. Im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) in Düsseldorf sowie künftig auch in den 16 Kriminaltechnischen Untersuchungsstellen in ganz NRW, arbeiten Vermessungsingenieur:innen zusammen mit Kriminalisten gemeinsam daran, Tatorte und Spurenlagen mit unterschiedlichen Methoden und Gerätschaften dreidimensional zu sichern. Sie „frieren“ die Situation zum Aufnahmezeitpunkt gewissermaßen ein. Das geschieht mit 3D-Laserscannern, Handscannern, 360°Panorama-Komplettsystemen, Drohnen mit digitalen Film- und Fotokameras oder mit einem Global Navigation Satellite Systems (GNSS-Empfänger).

Anschließend werten sie die gewonnenen (Geo-) Daten digital aus. Mit einer Spezialsoftware erstellen die Spezialisten daraus hochdichte Punktewolken, 3D-Modelle, fotogrammetrische 3D-Objektdarstellungen, 360°Panoramatouren mit eingefügten Detailaufnahmen von Spuren und verknüpften kriminaltechnischen Gutachten, maßstabsgetreue 2D- und 3D-CAD-Skizzen und georeferenzierte Orthofotos.

Damit können zum Beispiel Tathandlungen rekonstruiert, Fluchtwege dargestellt, Volumina bei Umweltdelikten berechnet, Schussrichtungen und Standorte von Schützen bestimmt, sowie Sichtfelder von Zeugen oder Geschädigten visualisiert werden. So lassen sich Aussagen erhärten oder widerlegen und vielfältige kriminalistische Fragestellungen klären. Die Arbeit im Bereich der kriminaltechnischen Tatortvermessung und deren Ergebnis ist in der Regel ein wichtiger Sachbeweis und eine innovative Möglichkeit, komplexe Örtlichkeiten, Spurenlagen oder Handlungen – insbesondere für Ermittlungskommissionen, Staatsanwaltschaften und Gerichte – darzustellen. Aus kriminalpolizeilicher Sicht ist die Geodäsie häufig ein elementares Puzzlestück, um unterschiedliche und spektakuläre Kriminalfälle zu lösen.

Wir erzählen aus der Praxis

Diplom Geografin

Sherlock Holmes – Aktiv in der Verbrechensbekämpfung

Dr. Hanna Post ist Diplom Geografin und beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen im Bereich Predictive Policing tätig. Die Methode Predictive Policing bezeichnet die Analyse von Falldaten zur Wahrscheinlichkeitsberechnung zukünftiger Straftaten, um den Einsatz von Polizeikräften effizient steuern zu können.

Weitere Tätigkeitsfelder der Geodäsie